kommunale Beteiligung in der Praxis

Visual Facilitation

Warum Visual Facilitation mit vulnerablen Gruppen mehr ist als „nice to have“!

In kommunalen Beteiligungsprozessen mit vulnerablen Zielgruppen entscheidet nicht nur was gefragt wird, sondern vor allem wie. In mehreren Workshops und Fokusgruppen mit Kindern (8–11 Jahre), Jugendlichen (11–15 Jahre) und Eltern aus einkommensarmen Haushalten mit niedrigem formalen Bildungsniveau wurde deutlich: Visual Facilitation ist kein methodisches Extra, sondern ein zentraler Hebel für Teilhabe, Vertrauen und Verständlichkeit.

Die Gruppensettings waren anspruchsvoll: Neben den Teilnehmenden waren wir von nuvio, Vertrauenspersonen der Zielgruppe sowie Auftraggeber:innen im Raum. Gerade in solchen Konstellationen besteht die Gefahr, dass sich Machtasymmetrien verstärken. Umso wichtiger war es, von Beginn an dialogorientiert zu arbeiten und alle Beiträge sichtbar und verständlich auf Post-its, Flipcharts und mit einfachen Sketchnotes festzuhalten.

Die visuelle Dokumentation wirkte dabei als gemeinsamer Anker. Teilnehmende bezogen sich immer wieder auf das Geschriebene und Gezeichnete, ergänzten, korrigierten oder griffen Punkte erneut auf. Die Visuals schufen Transparenz darüber, was gesagt wurde – und was davon „zählt“. Besonders eindrücklich: Kleine Sketchnotes, etwa eine gezeichnete Toilette bei der Diskussion über fehlende sanitäre Anlagen in einem Park, lösten Lachen aus und öffneten den Raum für niedrigschwellige, aber klare Problembeschreibungen. Humor und Bildhaftigkeit senkten Barrieren, ohne das Thema zu trivialisieren.

Aus fachlicher Sicht lassen sich daraus drei Learnings ableiten:

  1. Transparenz ist zentral. Teilnehmende müssen sehen können, wer im Raum ist, mit welcher Rolle und mit welcher Intention – und was konkret festgehalten wird. 
  2. Sichtbare Mitschrift auf Augenhöhe stärkt Vertrauen. Sich hinter Laptop oder Klemmbrett „zu verstecken“ schafft Distanz und kann insbesondere bei vulnerablen Gruppen Unsicherheit und Misstrauen verstärken.
  3. Visualisierung unterstützt unterschiedliche Kompetenzniveaus. Bilder, Stichworte und einfache Strukturen helfen, komplexe Inhalte gemeinsam zu strukturieren – unabhängig von Lesekompetenz oder formaler Bildung.

Visual Facilitation ist damit kein Selbstzweck. Sie ist ein wirksames Instrument, um Machtasymmetrien zu reduzieren, Verständlichkeit zu erhöhen und Beteiligung zu ermöglichen. Gerade in der Arbeit mit schwer erreichbaren Zielgruppen ist festzuhalten:

Wer sichtbar arbeitet, arbeitet inklusiver.


Mehr zu kommunalen Beteiligungsprozessen findest du hier.


02.03.2026
Anna Bock

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Anne Brüning
Senior Public Affairs Manager

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